Büro für transdisziplinäre Forschung + Kulturproduktion
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Ausstellung
DIE KUNST, NICHT DERMASSEN REGIERT ZU WERDEN
Württembergischer Kunstverein Stuttgart
28. November 2010 – 9. Januar 2011
Die Ausstellung, deren Titel auf ein Zitat von Michel Foucault zurückgreift, knüpft an die aktuellen Diskussionen über das Stadtentwicklungs- und Verkehrsprojekt „Stuttgart 21“ an und erweitert diese vor dem Hintergrund der in den letzten Jahrzehnten erfolgten ökonomischen, politischen, sozialen und kulturellen Transformationsprozesse.
Die Sektion wurde als ein eigenständiges Projekt, aber auch als integrale Sektion der Ausstellung „Re-Designing the East. Politisches Design in Asien und Europa“ von der Architekt_In und Stadtforscher_In Yvonne P. Doderer, den KünstlerInnen Stephan Köperl und Sylvia Winkler und den Direktoren des Kunstvereins in einem gemeinsamen Prozess entwickelt.
Die Ausstellung versteht sich als Archiv, Dokumentation und als künstlerische Gesamtinstallation, die den Spuren des Widerstands gegen das Verkehrs- und Immobilienprojekt „Stuttgart 21“ folgt.
Das Projekt „Stuttgart 21“ wird nicht nur im Zusammenhang mit seinem langjährigen Verlauf, der Geschichte des Widerstands und der Geschehnisse am 30. September 2010 betrachtet, sondern auch auf übergeordnete Aspekte wie
GOUVERNEMENTALITÄT
ÖKONOMISIERUNG
STADTENTWICKLUNG
ZIVILGESELLSCHAFT
INFORMATIONSPOLITIK
hin befragt.
„Die Kunst, nicht dermaßen regiert zu werden“ ist insofern auch eine Fallstudie einen Konflikt betreffend, dessen Verlauf Fragen nach den Transformationen des Öffentlichen (Repräsentative Demokratie versus Partizipation) und dem Stadtraum („Stadt als Konzern“ versus „Recht auf Stadt“ und Bürger_Innenstadt) aufwirft.
Gerade die Stadt ist der Raum, in dem sich Definitions- und Handlungsmacht verdichten und verschränken: Wer regiert die Stadt auf welchen Grundlagen und auf welche Weisen? Wem gehört die Stadt? Wer hat ein Recht auf Stadt? Wer bestimmt über zukünftige Entwicklungen einer Stadt und wer setzt diese auf welche Weise um? Welche Modernisierungsversprechen sind an diese Zukunftsentwürfe geknüpft? Mit welchen Darstellungen werden diese Entwürfe vermittelt? Die Ausstellung „Die Kunst, nicht dermaßen regiert zu werden“ beleuchtet auf der Folie von „Stuttgart 21“ in Ausschnitten und schlaglichtartig
diese Fragen.
Hintergründe
Stuttgart 21 ist ein Bahn- und Stadtentwicklungsprojekt, dessen Planung bis in das Jahr 1988 zurückreicht. Kern des Projekts ist die Tieferlegung des bisherigen Stuttgarter Haupt- bzw. Kopfbahnhofs, dessen Ausgestaltung durch einen Architektenwettbewerb im Jahr 1997 entschieden wurde. Auf den freiwerdenden Gleis- bzw. Teilflächen soll ein neuer Stadtteil entstehen. Teile der Flächen sind bereits durch die Landesbank Baden- Württemberg (LBBW) bebaut. Die Stadt Stuttgart hat zudem Teilflächen erworben und errichtet dort momentan eine neue Stadtbibliothek. Ein weiterer Teil des Gesamtprojekts (Baden-Württemberg 21) ist, neben Stuttgart 21, die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm, die u.a. eine Anbindung der Bahn an den Stuttgarter Flughafen vorsieht. Das Projekt war seit Beginn umstritten, hinzu kamen mehrjährige Planungsverzögerungen aufgrund ungeklärter Finanzierung und Ablehnung seitens der damaligen Bundesregierung. Ein vom „Aktionsbündnis Bürgerentscheid gegen Stuttgart 21“ (Initiative Leben in Stuttgart, BUND, Grüne, ProBahn, VCD) organisierter Antrag auf einen Bürgerentscheid im Jahr 2007, der mit über 60 000 Stimmen von Stuttgarter Bürger_Innen befürwortet wurde, wurde durch den Gemeinderat der Stadt Stuttgart sowie durch das Verwaltungsgericht abgelehnt.
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